Unabhängiges, säkulares Nachschlagewerk zur Geschichte der Glocken. Keine Website des Danilow-Klosters, der Russisch-Orthodoxen Kirche oder der Harvard University; religiöse Beratung bieten wir nicht an.
Historischer Kontext
Historischer Kontext
Die Geschichte der Glocken in Russland ist eine Geschichte des Handwerks, der Städte und Klöster und der tiefen Umbrüche des 20. Jahrhunderts. Um das Schicksal einer einzelnen Glocke zu verstehen, hilft es zu wissen, in welcher Epoche sie gegossen wurde und was zu jener Zeit mit den Glocken geschah. Im Folgenden fünf große Zeitabschnitte mit kurzen Erläuterungen. Das ist keine vollständige Geschichte, sondern eine Orientierung: Wo Daten verlässlich sind, nennen wir sie; wo es wenig Belege gibt, bleiben wir allgemein.
Eine Glocke lebt länger als die Menschen, die sie gegossen haben. Deshalb reicht ihre Geschichte fast immer über einen einzigen Ort hinaus.
— Aus der Redaktion
So ist die Rubrik aufgebaut: Eine Epoche wird hervorgehoben, wenn mit ihr spürbare Veränderungen im Glockenguss, in der Läutetradition oder im Schicksal der Glocken selbst verbunden sind. Wir nennen nur geprüfte Daten und geben keine politischen Bewertungen ab.
Epochen
Fünf Zeitabschnitte, die helfen, eine Glocke zeitlich einzuordnen.
Mittelalterliche Glocken
Glocken sind in der Rus seit alter Zeit bekannt; frühe Glocken waren in der Regel klein. Allmählich entstand eine eigene Läutetradition, bei der nicht die Glocke selbst, sondern ihr Klöppel geschwungen wird. Ende des 13. Jahrhunderts wurde in Moskau das Danilow-Kloster gegründet.
Moskau wurde zu einem der großen Zentren des Glockengusses. Die Gießermeister gaben ihr Handwerk von Generation zu Generation weiter, und die Glocken wurden immer größer und in Verzierung und Inschriften immer aufwendiger.
Die berühmteste Glocke Russlands gossen 1735 die Meister Iwan und Michail Motorin. 1737 brach bei einem Brand ein großes Stück ab, und die Glocke hat nie geläutet.
Das Schicksal der Glocken in den 1920er- und 1930er-Jahren
In diesen Jahren wurden in der UdSSR viele Kirchenglocken abgenommen und eingeschmolzen. 1930 wurde das Danilow-Kloster geschlossen; seine Glocken wurden verkauft und gelangten dank Charles R. Crane nach Harvard, wodurch sie dem Einschmelzen entgingen.
Ende des 20. und Anfang des 21. Jahrhunderts wurden Klöster zurückgegeben und Glockentürme wiederhergestellt. Das Danilow-Kloster wurde 1983 der Kirche zurückgegeben, und 2008 kehrten die Glocken aus Harvard dorthin zurück.
Kurzer Überblick über die Geschichte des Danilow-Klosters und das Schicksal seiner Glocken.
Quellen
Große Russische Enzyklopädie (Bolschaja rossijskaja enziklopedija)
Enzyklopädische Quellen zur Geschichte der Glocken
Harvard University — Lowell House (Geschichte der Glocken)
Das Nachschlagewerk stützt sich auf enzyklopädische Werke und Veröffentlichungen der Harvard University. Gewichte, Anzahlen und Daten einzelner Glocken weichen in verschiedenen Quellen mitunter voneinander ab – wir geben nur geprüfte Angaben wieder und kennzeichnen, wo genaue Daten fehlen.